Archivfotos

Tonbandprotokoll, Otto-Ziegenbalg

lesen...

Tonbandprotokoll, Telefongespräch Otto-Ziegenbalg am 29.12.1992:

Monolog Otto:

„Du hast es vielleicht gemerkt: Ich wollte dir persönlich nicht wehtun. Wenn du die Sächsische Zeitung heut´ liest – da ist es am deutlichsten, ja. Du hast eine Scheiß-Position, ich weiß das.“

Genervter Einwurf Ziegenbalg:

„Ich kann nicht mehr.“

Weiter Otto:

„Ich weiß. Du bist der verrückteste Fußballverrückte von ganz Dresden, aber dich haben sie – nicht die Leute, die mit dir sprechen wie ich – dich haben sie auf dem Gewissen. Du hast von 100 Menschen 80 als Feinde, und davon verstehe ich 79 nicht, warum sie deine Feinde sind. Ich weiß es nicht.  Wenn du heute zum Beispiel diesen Löffler liest: ich habe nie etwas gesehen, was der Verein von dem groß gekriegt hat. Rüdiger, ich bin nach wie vor 110 Prozent überzeugt: DU hast diesem Verein nie eine Mark genommen. Das weiß ich. Jetzt ist genau das passiert, was ich mit dem Rücktritt des Schatzmeisters vereitelt habe: Du trägst jetzt allein die Verantwortung der Vergangenheit, aber diese Verträge haben ganz andere Leute unterschrieben. Nur die sind alle weg, ja, du trägst die Verantwortung allein.

Und unser Untergang in dem Verein – das weißt du genauso wie ich, Rüdiger – der Untergang des Vereins heißt Reebmann – sonst gar nichts. Der hat dir vorne weggenommen, was wir dringend bräuchten, und hinten hat er uns noch verklagt und Schwierigkeiten gemacht; sperren Konto bei der Bank. So ist das.“

Einwurf Ziegenbalg:

„Genau so.“

Weiter Otto:

„Der Verein hat keine Vereinsführungsschwächen…. Die Vereinspapiere sind bei den falschen Leuten unterschrieben. Die Schwäche, die der Verein hat: Reebmann heißt die! Stell´ dir vor, ohne Reebmann, stell´ dir vor, Du hast die laufenden Einnahmen aus den Werbeverträgen, die Reebmann eingehalten hat, stell´ dir vor, du hättest die ganzen Geschäftsverträge, das Geld alles in der Kasse, was der dem Verein abkassiert hat, hätst du keine 13 oder 15 Millionen – jede Zahl Schulden wäre bedeutend weniger, und die Verbindlichkeiten des Vereins wären ganz normal… Das Problem heißt net Ziegenbalg oder Präsidium. Das Problem heißt: im Verein (unverständlich, geht um Reebmann und Dresdner Bank)“

„Wenn du zu irgendwelchen Schritten bereit bist, Rüdiger, die auch nur du allein entscheiden kannst, denn du hast die Fäden in der Hand, um zu bestimmen, was heute, morgen und übermorgen in dem Verein passiert und in der nächsten Zeit. Du bist der legitime, gewählte Präsident! Vor dem 29. Januar kann dich überhaupt keiner anpinkeln. Bis dahin bist du das. Nur, Rüdiger, die Frage ist: Ist der 29. Januar nicht mittlerweile schon zu weit. Ich meine, die Presse heute Morgen, und ich denke, dass ich zu allen Dingen bereit bin, Rüdiger, um dir deine menschliche Ehre nicht zu nehmen.“

„Rüdiger, egal jetzt wie alles läuft, ich gebe dir mein persönliches Ehrenwort: Ich gebe acht, dass ich dich nicht weiter verletzte. Das habe ich dir vor zwei Tagen schon gesagt. Ich gebe acht, dass deine Ehre nicht noch weiter in den Dreck gezogen wird. …

Überlege dir das alles noch mal gut.“

Einwurf Ziegenbalg:

„Ich wollte bloß von dir die Zusicherung haben, dass der Verein durch dich gerettet wird.“

Weiter Otto:

„Rüdiger, ich möchte, bevor du Entscheidungen triffst, lass uns drüber reden, und ich möchte, wenn du das so mitträgst, dass du in diesem Verein in irgendeiner Position bleibst. Net umdrehen jetzt und weglaufen. Dann kannst du dich nicht mehr wehren, Rüdiger, dann musst du alles ertragen. Denk drüber nach. Wenn du das so auch siehst, dass du jetzt in irgendeiner Form zurücktreten willst, in welcher Form du in diesem Verein und an welcher Position du in diesem Verein weiter erhalten bleibst. Dir kann man vorwerfen, dass du den kaufmännischen Part nicht erkannt hast am Tag X. Dir kann man vorwerfen, dass du das eine oder andere pressemäßig überzogen hast. Aber dann hörts auch schon auf. Dir kann man nicht vorwerfen, dass du dich auf Grund des Vereins privilegiert hast, dass du jetzt tausendmal bessere Umsätze in deinem Media-Center machst. Und dir kann man nicht vorwerfen, dass du dich persönlich an dem Verein bereichert hast. Und dir kann man nicht vorwerfen, dass du damals in der Schweiz die 100.000 Mark net genommen hast. Das kann man dir alles nicht vorwerfen. Andere Leute haben wahrscheinlich an Transfers Geld verdient, und ich gehe davon aus, dass du nie eine Mark genommen hast….

Das sind alles Dinge, wenn wir zu einem Ergebnis komme, was ich dir verspreche, dass ich die Fakten öffentlich klar sagen werde. Genauso wie ich es dir vorgestern Morgen gesagt habe, als ich mich so aufgeregt habe, wie die mit dir umgehen.

Bevor du eine Entscheidung triffst, Rüdiger, lass uns noch mal reden. Ich würde wirklich sehr begrüßen, wenn du dem Verein in irgend einer Form erhalten bleibst. Und vielleicht das noch Rüdiger, was wir in der Zukunft machen sollten: Wir sollten aus der Not heraus auch das gesellschaftliche Stellungsbild mal klarstellen, und wir sollten mal drüber reden, wo wir uns gegenseitig stützen, dass wir legitime Geschäfte aus unseren Verbindungen machen können. Du vergisst immer das Entscheidende: Du verkaufst Hifi-Anlagen. Davon sprichst du gar nicht mehr. Du sprichst nur noch von Dynamo Dresden.“

Einwurf Ziegenbalg:

„Weil ich Monate lang keine Zeit hatte.“

Weiter Otto:

„Das ist dein Geschäft, und nicht Dynamo Dresden. Die Entscheidung, die du mit Loos getroffen hast, hat mich am Anfang überrascht, schockiert… aber auch dazu möchte ich heute stehen: das Beste, was du machen konntest, das Beste, was dem Verein passiert ist…

Ich bin nach wie vor deiner Auffassung, dass … du gescheitert bist an deinem Image nach außen. Wenn dich der eigene Manager in der Presse beschimpft, und dein eigener Manager jedem Offiziellen sagt: Ich habe mit Ziegenbalg nichts mehr zu tun, ich mag den nicht. Das kann nicht …

Und wir sind zu schwach gewesen, diesen Mann aus dem Fenster zu werfen. Und wenn er draußen war, von hinten hat ihn der Reebmann wieder reingehoben. So war es doch.

Rüdiger, denk einfach noch mal drüber nach. Mache keine Flucht mehr nach vorne, sondern bleibe jetzt einfach mal ruhig stehen. Du hast bis jetzt so viel ertragen. Lass dich einfach nicht mehr auf ein so niedriges Niveau runterholen, Rüdiger, das hast du auch nicht verdient….

Ich denke, dass wir diesem Verein jetzt in einer Schnellhilfe doch noch finanzielle Mittel in Höhe von eins, zwei, zweieinhalb Millionen zur Verfügung stellen müssen, damit der Verein überhaupt überlebt, Rüdiger. Das wiederum setzt voraus, dass die Mitgliederversammlung am 29.1. für meine Begriffe viel zu spät ist. Unsere Entscheidung fällt jetzt in den ersten ein, zwei Wochen im Januar. Das weißt du genauso wie ich auch.

Der entscheidende Otto-Satz:

„Rüdiger, ich muss dir das noch mal sagen. Ich möchte das bitte nur einfach feststellen, ohne Kommentar: Rüdiger, du bist verschuldet mit 1,6 Millionen Mark für deinen Verein, Rüdiger. Du hast dein ganzes Vermögen eingesetzt für deinen Verein, bei dem du Präsident bis jetzt bist. Ich darf dir das noch mal dazu sagen. Das erschreckt dich wohl alles net, aber wenn du einen Bösen gegenüber hast, macht der dir dein Geschäft zu.“

„Dringend ist, dass du deine finanziellen Bahnen ordnest, dass du aus deinen Verpflichtungen dem Verein gegenüber heraus kommst, und dass du mal wieder vernünftigerweise deine eigenen Geschäfte mal wieder mit deiner Handschrift weiterführen kannst – und trotzdem eine Position im Verein hast, aber nicht mehr jeden Tag fünf Stunden auf der Geschäftsstelle sitzt. So sehe ich das.“

Ziegenbalg:

„Ich danke dir.“

Otto:

„Rüdiger, den letzten Funken, behalte den. Bleibe immer noch stolz. Du hast niemandem etwas genommen. Aber probiere nicht mehr zu retten, wo andere sich auf deine Kosten noch einmal stark machen können und noch mal in die Zeitung kommen. Bevor du etwas machst, lass uns einfach weiter telefonieren. Wenn du einen Rücktritt machst, überlege dir aber in der gleichen Phase, in welcher Position du dem Verein erhalten bleiben willst und laufe nicht ganz weg. Bleib dabei und mache das, was du immer machen wolltest: fußballverrückt zu sein und eine Vereinsarbeit zu machen.“

Reebmann zu Ziegenbalg:

„So große Feinde waren wir ja gar nicht.“

Otto:

„Diesen Ruin dieses Vereins hat nur einer zu verantworten, und der heißt Reebmann, und der wurde gestützt von der zweitgrößten Fraktion im Verein, nämlich der Dresdner Bank. Der Verein muss schnellstmöglich von so einer Bank weg.“

Einwurf Ziegenbalg:

„Gut Rolf, machs gut…“

Otto:

„Rüdiger, du tust mir ehrlich Leid, weil du von innen heraus ehrlich bist. Du bist ein ehrlicher Charakter.“

„Lasse vielleicht mal die nächsten ein, zwei Jahre aus der zweiten, dritten Position – und du bist trotzdem dabei. Lauf nicht weg! Wer wegläuft, bekennt, dass er Schuld hat. Du hast nur Schuld, weil du falsch unterschrieben hast…“